SAGA – GWG

Für ein besseres Verständnis der aktuellen Aufwertungsprozesse in Wilhelmsburg gilt es einen Blick hinter die Fassaden zu werfen, die im Rahmen der Politik von Senat und IBA aufgebaut wurden. Denn wenn es darum geht, wer über die Entwicklung der Mieten und des sozialen Wohnungsbaus bestimmt, dann ist die IBA nur ein kleiner Fisch. Wirklich bedeutsam sind hier die großen Wohnungsbaugesellschaften. Die mit Abstand bedeutendste – sozusagen ein wirklich großer Fisch – ist die SAGA-GWG.

Vermieter „mit sozialem Auftrag“: SAGA-Wohnblöcke am Berta-Kröger-Platz nähe S-Bahn Wilhelmsburg (2009)

Vermieter „mit sozialem Auftrag“: SAGA-Wohnblöcke am Berta-Kröger-Platz nähe S-Bahn Wilhelmsburg (2009)

SAGA hieß eigentlich „Siedlungs-Aktiengesellschaft Altona“. Wie bei der GWG, mit der sie seit 2007 einen integrierten Konzern bildet, handelt es sich um eine ehemals gemeinnützige Gesellschaft, mit der die Städte Altona und später Hamburg dereinst den Mietwohnungsbau steuern wollten, um die oftmals katastrophalen Wohnverhältnisse der Arbeiterschaft zu verbessern. Dass die GWG sich heute nicht mehr wie früher „gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft“, sondern schlicht „Gesellschaft für Bauen und Wohnen“ nennt, spricht Bände: die Gemeinnützigkeit spielt keine große Rolle mehr. Heute geht es in erster Linie um die profitable Verwertung von Immobilien. Die SAGA-GWG ist stolz darauf – so in ihrem Geschäftsbericht für 2011 nachzulesen – im Vergleich zu anderen im Besitz der Stadt befindlichen Konzernen überdurchschnittliche Gewinne zu erzielen. Der bisherige Rekord konnte 2011 verbucht werden, als sich die Stadt Hamburg über 162 Millionen Euro plus (vor Steuern) freuen konnte (Stand: Oktober ’12, Quelle). Dass sich die SAGA-GWG Hamburgweit mit überduchschnittlichen Mieterhöhungen seit Jahren als Preistreiberin profiliert, hat die AG Mieten des „Recht auf Stadt“-Bündnisses in einer aufschlussreichen Broschüre dokumentiert. Aus ihr geht hervor, dass die Mietsteigerungen der SAGA zwischen 1997 und 2008 um 17,7 % über der Durchschnittsrate und 15 % über der Inflationsrate lagen – und ebenfalls weit über der Lohnentwicklung.

Mit ihren rund 130.000 Wohnungen und rund 300.000 MieterInnen ist die SAGA-GWG das zweitgrößte Wohnungsbauunternehmen in Deutschland. Auch auf der Elbinsel ist die SAGA die Größte: über 21.000 Wohnungen besitzt sie „im Süden“ (Harburg/Veddel/ Wilhelmsburg). Die Saga funktioniert im Prinzip wie ein privates Unternehmen. Dies ist besonders bitter, befindet sie sich doch zu 100% im Eigentum der Stadt, sollte also zumindest auf dem Papier am Gemeinwohl interessiert sein. Zwar behaupten die SAGA und die für sie politisch Verantwortlichen auch immer wieder, einen sozialen Auftrag zu erfüllen. Tatsächlich jedoch nimmt der Anteil der Wohnungen, die aus der Sozialbindung herausfallen, (nicht nur) im Bereich der SAGA seit vielen Jahren zu. Gezielt werden zudem besonders interessante Objekte in Eigentumswohnungen umgewandelt und gewinnbringend veräußert.

Die SAGA-GWG fällt in Wilhelmsburg jedoch nicht nur durch steigende Mieten auf. Als IBA-Partnerin ist sie einerseits an der Produktion eines neuen Images für die „Elbinseln“ beteiligt. Projekte wie das „Weltquartier“ werden als Vorzeigemodell „für das interkulturelle Zusammenleben in unseren Städten“ verkauft – fallen dabei aber durch Scheinbeteiligung der Mieter_innen und die Vernichtung günstiger Wohnungen auf. Bei den Sanierungen der Wohnungen schlug die – zumindest theoretisch – soziale Wohnungsbaugesellschaft den Mieter_innen fast durchgehend vor, ihren Mietvertrag zu kündigen, und einen neuen abzuschließen – was die Mieter_innen in die rechtlich schwächste Position bringt. Umzugshilfen wurden nicht immer anstandslos gewährt, z.T. mussten die Menschen im November ihre Sanitären anlagen in Containern vor dem Haus finden.

Vielfach konnte sich die SAGA auf die Unwissenheit der Bewohner_innen verlassen und so Geld sparen. Umsatzwohnungen waren oft schimmlig. Klar auch, welche Bevölkerungsgruppen hier besser und welche schlechter abschnitten. Und auch klar, dass es auf diese stille Weise gelingt, einen Bevölkerungsaustausch hinzubekommen, während das Projekt nach außen hin vor Sozialverträglichkeit nur so strotzt. So musste dann neulich ein Vertreter der SAGA – im Gegensatz zur ständig wiederholten Behauptung, alle könnten zurückkehren – auf einer Veranstaltung zugeben, dass 80% (!) der ehe- maligen Bewohner_innen des „Weltquartiers“ nach der Sanierung nicht mehr zurückkehren werden.

Andererseits ist die SAGA-GWG auch aktiv an der Bevölkerungspolitik der IBA beteiligt: Sie subventionierte studentisches Wohnen, während gleichzeitig Menschen mit Alg-II-Bezug oder mit Rassismuserfahrungen mitunter Jahrelang auf Wartelisten stehen, wie Mieter_innen aus dem Bahnhofs- und Korallusviertel berichten.