Immer Ärger mit der GAGFAH…

Verschimmelte Wohnungen, die Verweigerung notwendiger Reparaturen und Sanierungsmaßnahmen, ausgefallene Heizungen und trotzdem steigende Mieten: Während die Internationale Bauausstellung (siehe auch AKU-Seite zur IBA) mit schicken Projekten gezielt die Anwerbung einer neuen Mittelschicht für Wilhelmsburg betreibt, sehen sich Mieter_innen der GAGFAH im Korallus- und Bahnhofsviertel der Wohnmisere überlassen und von der Politik ignoriert. Doch ihr Protest – neben den zahlreichen alltäglichen Widerständen auch die vielbeachtete Fahrt zur GAGFAH-Zentrale im März 2011, einige Monate später eine Demonstration im Stadtteil und der Besuch bei der BSU im Juni 2012 – hat der GAGFAH immerhin höhere Investitionen für Instandsetzung abgerungen und der Politik gezeigt, dass sie nicht einfach ihre Augen verschließen kann. Der Austausch über Informationen im Viertel selbst ist dabei ein weiterer Erfolg.

Mieter_innen der GAGFAH-Wohnungen im Korallusviertel im März 2011 unmittelbar vor der Fahrt zur GAGFAH-Zentrale in Wandsbek.

Mieter_innen der GAGFAH-Wohnungen im Korallusviertel im März 2011 unmittelbar vor der Fahrt zur GAGFAH-Zentrale in Wandsbek.

Die GAGFAH war 2004 aus Bundesbesitz verkauft worden, Mehrheitsaktionär ist der US- Hedgefonds Fortress. Nach drastischer Senkung von Instandsetzungskosten um ihre Gewinne zu maximieren, zeigten Schimmel, Feuchtigkeit und fehlender Service die negativen Folgen der Privatisierung nur allzu deutlich. Trotz dieser Zumutungen steigen die Mieten stetig und Nebenkosten werden falsch abgerechnet. Das Unternehmen hatte auch in Dresden den gesamten städtischen Sozialwohnungsbau aufgekauft und wurde dort mittlerweile von der Stadt wegen Nichteinhaltens sozialer Auflagen verklagt. Auch in Steilshoop sieht sich die GAGFAH massiven Vorwürfen und Protesten ausgesetzt, ihren Bestand auf Kosten der Gesundheit und Wohnqualität der MieterInnen zu vernachlässigen.

Der Widerstand der Mieter_innen begann nicht erst im Jahr 2011 und mit den Demons­trationen, führte damit aber erstmals zu einem nicht unerhebli­chen Medienecho. Schon Jahre zuvor begannen Mieter_innen, sich mittels Mietrecht, Unterschriftenlisten, Informationsaustausch, Deals mit der GAGFAH oder selbstständigem Durchführen von Reperaturen zu wehren. Insbesondere auf Mietminderung reagiert die GAGFAH schnell und hart. Doch erneut wurde auch im Rahmen der Proteste eine Räumungsklage abgewehrt und der Austausch über mietrechtliche Möglichkeiten weitergetragen. Trotz Repressionen der GAGFAH setzen viele ihre Widersetzungen fort.

Über die Protestfahrt zur GAGFAH Zentrale nach Wandsbek am 24.3.2011 gibt es zwei kurze Filme von leftvision. Vielen Dank!

Auch über die Protestfahrt zur Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt am 04.06.2012 gibt es einen kurzen Film von graswurzel.tv. Ebenso: Vielen Dank!


Ausführlicher dokumentiert ist der Konflikt in der Broschüre „Immer Ärger mit der GAGFAH“ der AG Wohnen, der auch der AKU angehört. Zuletzt ist auch die Senats- und Bezirksverwaltung aufgeschreckt. Sowohl die Bezirksversammlung als auch das zuständige Fachamt für Stadt- und Landschaftsplanung bekräftigten gegenüber den Mieter_innen ihren Willen, die GAGFAH mit schärferen Mitteln anzugehen. Wurde bisher vor allem auf Kooperation gesetzt, sind nun  vor allem Instandsetzungsgebote und das verstärkte Einschalten der Wohnungspflege – aber auch Rekommunalisierung bis hin zu Enteignung im Gespräch. Ob und was seitens Politik und Verwaltung nun passiert, gilt es kritisch zu beobachten. Das grundlegende Missverhältnis einer Stadtpolitik, die in direkter Nachbarschaft zu den heruntergewirtschafteten GAGFAH-Gebäuden Wunderwelten errichtet, die aus Hochglanzprospekten entsprungen scheinen, wird jedenfalls nicht durch Lippenbekenntnisse verändert.