Instrument der Stadtentwicklungspolitik

Der nicht monetarisierbare Nutzen durch die igs, den der Rechnungshof hier etwas altbacken formuliert, ist weder eine Erfindung der Hamburger BSU noch besonders neu, denn bereits seit 1951 werden Gartenshows als ‚Motor der Stadtentwicklung‘ vermarktet. So sieht sich auch Jochen Sandner, Geschäftsführer der DBG, in dieser Funktion: „Gartenschauen stoßen integrierte Stadt- und Regionalentwicklungsprozesse an. Wir schaffen und erneuern nicht nur die grüne Infrastruktur einer Stadt, sondern auch deren Verkehrsinfrastruktur, das Wohnen am Park, die Sport- und Kulturbauten.“

Privatisierung öffentlicher Räume

Voraussetzung für dieses ‘Schaffen’ und ‘Erneuern’ ist in einer kapitalistischen Gesellschaft mit chronisch leeren Staatskassen natürlich die Privatisierung vorhandener öffentlicher Räume, z. B. durch Verkauf kommunaler Grundstücke. Dementsprechend sollte auch die igs GmbH mutige Investoren für innovative Projekte finden, die der Finanzbehörde die hierfür notwendigen Grundstücke abkaufen.

Mit dieser Aufgabe, so sollte sich herausstellen, waren Heiner Baumgarten und seine igs GmbH allerdings völlig überfordert: Zunächst wurde sicherheitshalber schon mal der Löwenanteil der mittlerweile aufgeräumten und entleerten Fläche zwischen Reichsstraße und Bahntrasse der IBA GmbH überlassen, die nun ihrerseits Investoren für die “Bauausstellung in der Bauausstellung” suchte. Der igs blieb jetzt die Aufgabe, für den Gebäude- und Hallenkomplex am zukünftigen Parkeingang Investoren zu finden. Fleißig wurde also im Sommer 2009 eine entsprechende Ausschreibung verfasst, um finanzkräftige Baumeister für ein gemischt genutztes Gebäude inklusive Hotel und für einen Hallenkomplex, in dem 2013 zunächst die Blümchen ausgestellt werden sollen, zu finden.

igs Gebäude- und Hallenkomplex:

igs Gebäude- und Hallenkomplex: Ausschreibung verrissen!

Die aufmerksame Leserin wird schon ahnen: Die igs scheiterte an dieser Aufgabe. Es gab weder Interessierte, noch wurden gar Angebote auf die Ausschreibung hin abgegeben, so dass der Senat ein  Jahr später die Bürgerschaft unterrichtete: “Mit Vereinbarung vom 10. Juni 2010 hat die IBA GmbH im Einvernehmen mit der igs gmbh und in Abstimmung mit den zuständigen Behörden und Ämtern die Aufgabe übernommen, den südlich der Neuenfelder Straße im igs Haupteingangsbereich vorgesehenen Gebäude- und Hallenkomplex zu entwickeln.” (Überflüssig zu sagen, dass die IBA diesen Auftrag beherzt angenommen und erfolgreich gemeistert hat.)

Doch selbst wenn sich die igs beim Verkauf der ihr anhandgegebenen Flächen etwas ‘ungeschickt’ anstellte, gelang es ihr durchaus, Grundstücke und Gebäude zumindest temporär durch Verpachtung/Vermietung der Öffentlichkeit zu entziehen. So ist der Besuch des Wasserwerks in den nächsten 10 Jahren z. B. an den Verzehr “pfannengeschwenkter Pfifferlinge” oder eines “Schnitzels vom Elbwiesenkalb” in der dortigen Restauration gekoppelt. Die 70.000 m² des Hochseilgartens können fortan für zweieinhalb Stunden zum regulären Preis von 24 € pro Person betre­ten werden, um geschwind einmal um die Erde zu klettern: von Asien („erste Klettererfahrungen“) über Afrika und Australien nach Europa („Für Fortgeschrittene“) mit dem Ziel Amerika („Nervenkitzel pur“).

Nicht weniger ambi­tioniert mit einem „nachhaltigen Klimakonzept des ‚Null CO²-Klettern'[sic]“, aber deut­lich preis­günstiger scheint da die Kletterhalle der Nordwandhalle BetriebsGmbH, denn die „Hap­pyday Karte“ kostet lediglich 10,50 €  – zuzüg­lich 10 € für die notwendigen Seile, Gurte usw. Allerdings herrscht hier eine gewisse Verwirrung über die Eigentumsverhältnisse: Während der Senat die Bürgerschaft informierte, dass die 6.000 m² von der igs an die Betreibergesellschaft bis zum 31.12.2013 (mit Verlängerungsoption bis Ende 2039) untervermietet seien, glaubt die Nordwandhalle, dass sie das Gelände gekauft habe, so zumindest die Auskunft eines Vertreters im persönlichen Gespräch.

Der Öffentlichkeit können die mutmaßlichen Verhältnisse der verwirrten Eigentümerinnen allerdings völlig egal sein. Denn unabhängig davon, ob städtische Grundstücke langfristig durch Verkauf oder mittelfristig durch Vermietung privatisiert werden, ist der kostenlose Zugang zu ehemals öffentlichen Flächen versperrt. Dies gilt neben den bereits erwähnten sportlich-psychologischen Ertüchtigungsstätten für weitere 12.000 m², auf denen die Bäderland Hamburg GmbH u. a. das Landesleistungszentrum Wasserball mit internationaler Ausrichtung ansiedeln will, sowie 4.500 m², auf denen der Verein Sport ohne Grenzen e.V. im Rahmen seines Projekts Insel-Akademie eine bundesligataugliche Basketballhalle errichten wird.

Völlig ungeklärt ist darüber hinaus, ob und wie der öffentliche Zugang zum Park westlich der Reichsstraße wieder möglich sein wird. Zur Erinnerung: Seit 2010 ist dieses Gelände bereits eingezäunt und von Wachpersonal besetzt. 2013 dürfen nun – dank einer großzügigen igs-Geste – zumindest diejenigen, die ihre offizielle Meldeadresse in Wilhelmsburg/Veddel haben, den Park an 3 (in Worten: drei) Tagen kostenlos betreten. Für die Zeit ab 2014 gibt es bislang nur Spekulationen: So geisterte im Oktober 2012 ein zentraler Landesbetrieb Park-GmbH durch die Presse, der neben der Parkpflege auch für Werbung, Veranstaltungsmanagement, Eintrittsgelder und Sponsoring in den Parks zuständig sein könne. Eine solche Verwaltungszentralisierung der größeren Hamburger Parks stieß allerdings auf wenig Gegenliebe in den Bezirken. Und auch das Bezirksamt Hamburg-Mitte beeilte sich mitzuteilen, dass es sich sehr wohl um den Park in Wilhelmsburg kümmern könne, schließlich gäbe es ja vergleichbare Erfahrungen, nämlich mit Planten un Blomen. Die Erfahrung der Besucher_innen, die nach Einbruch der Dunkelheit vor den verschlossenen Toren von Planten un Blomen stehen, liefert dann auch eine erste Vorstellung über den freien Zugang der Öffentlichkeit zum Park…


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