internationale gartenschau hamburg – igs 2013

Im Gegensatz zur Internationalen Bauausstellung IBA, die 2013 ihren fulminanten Abschluss finden soll, wird das zeitgleich stattfindende Großevent, die internationale gartenschau hamburg igs 2013, deutlich verhaltener kommentiert, eine wahrnehmbare Kritik ist kaum zu hören. Denn schließlich handelt es sich um eine Gartenschau, also irgendwie um Natur. Und der Parkbesuch, die Freude beim Betrachten von Blümlein und Bäumchen ist doch ein zutiefst subjektives Erlebnis, eben Geschmacksache, worüber sich ja bekanntlich nicht streiten lässt. Oder doch?

Wir wollen hier am konkreten Beispiel der igs 2013 aufzeigen, dass Gartenschauen wie die Internationale Gartenbauausstellung IGA, Bundesgartenschau BUGA oder Landesgartenschauen LGS nicht einfach unter der Rubrik ‚guter/schlechter Geschmack‘ einsortiert und ignoriert werden können. Ebenso wie ihre Vorgängermodelle in anderen Städten und Gemeinden hinterlässt die igs 2013 einen tief zerfurchten Eindruck im matschigen Inselboden mit Sogpotenzial für die ganze Stadt, was im Folgenden kritisch analysiert werden soll.

Zunächst gehen wir auf den großräumigen ökologischen Kahlschlag ein, der nicht nur den Boden für das eigentliche Ausstellungsgelände aufbereitet, sondern durch sog. Ausgleichsmaßnahmen weitere Flächen trifft. Die in dieser Hinsicht vielfach geäußerte Kritik greift allerdings zu kurz, denn sie ignoriert, dass systematische Naturzerstörung zu einem wesentlichen Bestandteil der Gartenschauen geworden ist.

Die – nicht nur ökologischen – Kollateralschäden der igs ordnen sich in der ökonomischen Betrachtung zunächst kurzfristigen Profitinteressen unter: Die Gartenbau-Industrie nutzt die Gartenschauen, um ihre Auftragsbücher zu füllen und ihre Produkte kostenlos zu vermarkten; die Stadt träumt vom Tourismus, der nicht nur die neu entstandenen Löcher stopfen, sondern die Kasse darüber hinaus auffüllen möge.

Neben kurzfristigen monetären Effekten verbindet die Stadt aber vor allem stadtentwicklungspolitische Aspekte mit der igs: In kurz- bis mittelfristiger Hinsicht ist hier die unaufhörlich voranschreitende Privatisierung öffentlichen Raums auf lokaler Ebene zu nennen. Zusätzlich sind igs bzw. ihre Hinterlassenschaften eingebunden in das neue mittel- bis langfristig angelegte Sportkonzept der Stadt, das explizit stadtentwicklungspolitisch antritt, um über noch mehr sportive Großveranstaltungen und verstärkte Ausrichtung auf den kommerziellen Profisport die Stadt für eine neue Olympiabewerbung herzurichten.

Im letzten Abschnitt werden wir schließlich noch einmal auf den Umgang der igs mit den Menschen im Stadtteil und die unmittelbaren Belastungen und Belästigungen im Eventjahr 2013 eingehen.