Ein Ziel der IBA Hamburg GmbH: Inwertsetzung bislang unternutzter räumlicher Potenziale

Auch wenn in seiner Außendarstellung das Projekt der IBA als ein reflektierter Versuch erscheint, die Lebensverhältnisse im Projektgebiet zu verbessern und Antworten auf drängende stadtentwicklungspolitische Fragen zu finden, kann sie bei näherer Betrachtung nicht kaschieren, dass die wesentliche Motivation eine Inwertsetzung bisher ungenutzter räumlicher Potenziale ist.

Nach jahrzehntelangen Desinvestitionen im Süderelberaum, der Missachtung der Bedürfnisse der Bewohner_innen und der noch viel länger fest in Hamburg verankerten Politik des „Raums für den störenden Rest“ (Industrie, Mülldeponien, Hafengewerbe, an den Rand der Gesellschaft gedrängte Personen) erscheint es äußerst unglaubwürdig, dass diese Politik nun auf einmal überwunden wäre und Umstrukturierungen an den Bedürfnissen der hierhin verdrängten Bevölkerung ansetze. Vielmehr erscheint es plausibel, dass in Verbindung mit einer Politik der Nachverdichtung städtischer Räume („wachsende Stadt“) in erster Linie Wachstumspotenziale in räumlicher, ideeller und immobilienwirtschaftlicher Sicht gehoben werden sollen. Dass in unmittelbarer Nähe zum Zentrum und seiner nicht minder hochpreisigen Erweiterung HafenCity noch weitflächige Stadtareale von absolut unterdurchschnittlicher Marktperformance existieren, ist unter marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten ein riesiges Potential, das es zu nutzen gilt – vor allem, wenn dabei der öffentliche Haushalt selbst finanziell profitieren kann.

„Soziale Vermieter“ wie die IBA Partner SAGA-GWG und die Genossenschaft Bauverein Reiherstieg eG gehörten zu den ersten, die durch „Anpassungen“ an den Mietenspiegel das gesetzlich maximal mögliche abzuschöpfen und bei Neu-Vermietungen die Preise fordern, die der Markt hergibt.. Ferner sind die Flächen im Projektgebiet mehrheitlich im öffentlichen Besitz. Von einer Wertsteigerung profitiert auch hier der öffentliche Haushalt. Im Sinne von Wirtschaftsförderung gibt es einen politischen Willen, Wilhelmsburg, die Veddel und Harburg als Markt nicht nur öffentlichen Unternehmen, sondern auch privatwirtschaftlichen Akteuren zu öffnen. Oder kürzer: Das Projektgebiet soll am Ende der Schau in Wert gesetzt worden sein.

Vor dem vielfach beschworenen Hintergrund eines vernachlässigten Stadtgebietes lässt sich diese geplante Marktgängigmachung des Süderelbraums nun sehr leicht als notwendige Investition in die Lebensqualität vor Ort kommunizieren. In der Tat ist der Argumentation, dass aufgrund der vielfachen infrastrukturellen Defizite Veränderungen positiv zu bewerten seien, vordergründig nur wenig entgegenzuhalten. Es wird jedoch überdeutlich, dass es sich bei dem Projekt nicht um die Initiierung eines Wandels geht, durch den bessere Lebensverhältnisse möglich werden, sondern vielmehr um die Umstrukturierung von Raum, der immer auch Ware ist. Dass es dabei um einen sozial, ökonomisch und infrastrukturell marginalisierten Raum geht, kommt gerade recht. Wenig zu erwartende Gegenwehr und eine besonders hohe Gewinnspanne lassen solche Projekte als besonders aussichtsreich erscheinen.


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