Keine harmlose Blümchenschau! igs in Wilhelmsburg bedeutet Naturzerstörung und Ausgrenzung

Pressemitteilung des Arbeitskreises Umstrukturierung Wilhelmsburg (AKU) zur Eröffnung der internationalen gartenschau hamburg 2013.

Pressekontakt: aku-wilhelmsburg@riseup.net; 01522 6567313

Hamburg, 23.4.2013

Am kommenden Freitag öffnet die internationale gartenschau hamburg (igs) 2013 ihre Tore, um den erwarteten 2,5 Mio. BesucherInnen bis zum Herbst ein farbenprächtiges Pflanzenspektakel zu präsentieren. Doch die igs ist weit mehr als eine harmlose Blümchenschau – sie ist Teil eines stadtentwicklungspolitischen Instrumentariums, das Wilhelmsburg für besser verdienende Bevölkerungsschichten attraktiv machen soll. Marianne Neubert vom AKU:

„Die Gartenschau ist neben der IBA das zweite Prestigeprogramm des Senats, mit dem Millionen in eine Show anstatt in den Erhalt gewachsener lokaler Strukturen, Grünflächen und günstiger Wohnungen gesteckt werden. Der Zaun und die Eintrittspreise der igs setzen ein klares Zeichen der Ausgrenzung für BewohnerInnen im Viertel.“

Wenn sich nun der Erste Bürgermeister Olaf Scholz freut, dass Wilhelmsburg „mit der igs 2013 eine grüne Mitte“ bekomme, dann können viele BewohnerInnen des Stadtteils diese Freude wohl kaum teilen. Sie mussten mit ansehen, wie die igs durch massiven Kahlschlag die Pflanzen- und Tierwelt ihres ehemaligen Parks und die Spontannatur der benachbarten Brachflächen unwiederbringlich zerstörte. Dazu Robert Albrecht vom AKU:

„Noch 2008 beschwichtigte igs-Chef Heiner Baumgarten, der noch dazu Vorsitzender des Umweltverbandes BUND Niedersachsen ist, dass nur ‚in Ausnahmefällen … ein Baum gefällt‘ werde. Vier Jahre später stellte sich heraus, dass es wohl tausende Ausnahmefälle gegeben haben muss, denn mehr als 5.000 Bäume sind im Auftrag der igs gefällt und Natur zerstört worden.“

Neben den klassischen Elementen einer Gartenschau präsentiert die igs innovativ unter dem Label ParkSport ein neues Profil. Mit Einrichtungen wie Kletterhalle, Hochseilgarten, Freizeitrundweg und Laufstrecke soll der Park auch nach Ende der Gartenschau zum „sportiven Erlebnisraum“ werden. Zum Nutzen für die AnwohnerInnen stellt Marianne Neubert vom AKU allerdings nüchtern fest:

„Bis zum großen Kahlschlag vor einigen Jahren konnten die Kinder hier umsonst in Bäumen klettern und in selbst gebauten Baumhäusern spielen. Die meisten Eltern im Quartier können sich die Eintrittspreise in der Nordwandhalle oder im Hochseilgarten nicht leisten. Und für die kostenlosen ParkSport-Angebote wie Joggen, Skaten oder Radfahren brauchte niemand die igs. Der neue Park dient dabei aber einer besseren Kontrollierbarkeit der Nutzung öffentlicher Flächen.“

Für die igs sind die BewohnerInnen Wilhelmsburgs eher uninteressant, denn sie gehören weder zu den umworbenen GartenschaubesucherInnen noch zur „mobilen, gesundheitsbewussten Stadtbevölkerung“, für die der sportliche Park ab 2014 die Tore öffnet, um ihnen den „Sprung über die Elbe“ zu versüßen. Mit Hilfe der Gartenschau als touristisches Highlight soll der Stadtteil insbesondere von HamburgerInnen wahrgenommen werden, die demnächst ihre innenstadtnahen Viertel aufgrund gestiegener Mieten und Wohnraumknappheit verlassen und sich ein neues Zuhause suchen müssen.

Trotz solcher Imageproduktionen ist Wilhelmsburg auch in aktuellen Umfragen der Stadtteil, in den HamburgerInnen auf keinen Fall ziehen würden, denn die Wohnqualität wird durch Schwerlastverkehr, Lärm und Geruchsbelästigungen stark beeinträchtigt. Fehlende Konzepte zum Schutz von Wohnbedürfnissen gegenüber Wirtschaftsinteressen, Naturzerstörung, sowie die Preis- und Privatisierungspolitik der igs lassen für den AKU nur ein Fazit zur Gartenschau ziehen: die igs als „Motor der Stadtentwicklung“ ist gescheitert!


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