IBA verschärft Lebensbedingungen in Wilhelmsburg!

Pressemitteilung des Arbeitskreises Umstrukturierung Wilhelmsburg (AKU) zur Eröffnung des IBA-Präsentationsjahres 2013.

Pressekontakt: aku-wilhelmsburg@riseup.net; 01577-3924552

Hamburg, 22.3.2013

Wenn die Internationale Bauausstellung (IBA) am morgigen Samstag in Wilhelmsburg die Eröffnung ihres Präsentationsjahres feiert, werden viele Menschen im Stadtteil wenig zum Feiern haben. Rasante Mietsteigerungen, sich verschärfender Wohnraummangel und teils miserable bauliche Zustände ihrer Wohnhäuser stehen der Imagepolitik und den Leuchtturmprojekten der IBA gegenüber. Tina Schmidt vom Arbeitskreis Umstrukturierung Wilhelmsburg zieht eine ernüchternde Bilanz:

„Die IBA hat Stadtentwicklung betrieben, ohne dringend benötigten günstigen Wohnraum zu schaffen. Stattdessen hat sie konsequent auf die Anwerbung besserverdienender Bevölkerungsgruppen aus der „Mittelschicht“ gesetzt. Obendrein hat sie keine nachhaltigen Verbesserungen der sozialen Infrastruktur für die Menschen im Stadtteil geschaffen. Den drastischen Mietsteigerungen der letzten Jahre hatte sie nichts entgegenzusetzen, sondern verschärft diese sogar.“

Die Zahlen, die die IBA selbst in ihren sog. „Strukturmonitorings“ veröffentlicht, sprechen für sich: In den Jahren seit IBA-Beginn sind die Angebotsmieten im Stadtteil rasant gestiegen – zwischen 2006 und 2012 um 35%. Heute liegen sie durchschnittlich bei 8 Euro kalt pro Quadratmeter, im besonders von Aufwertung betroffenen Reiherstiegviertel werden schon 10 Euro und mehr genommen. Damit nähern sich Teile der Insel dem Niveau von Stadtteilen wie St. Pauli an, wo die Gentrifizierung zu massivem Bevölkerungsaustausch geführt hat.
Robert Albrecht vom AKU:

„Die IBA behauptet zwar, eine ‚Aufwertung ohne Verdrängung‘ zu betreiben, die Realität sieht aber anders aus. Sie treibt die soziale Spaltung des Stadtteils voran.“

Auch durch den massiven Wegfall von Sozialwohnungen schrumpft der Bestand an günstigem Wohnraum. Dazu sagt Tina Schmidt:

„In ganz Hamburg wird über den Bau bezahlbarer Wohnungen diskutiert, aber im Rahmen der IBA findet nichts dergleichen statt. Die von der IBA geförderten Wohnungsbaumaßnahmen richten sich zum Großteil an Besserverdienende – sogar in einem der sogenannten ‚Smart Price Houses‘ in der ‚Neuen Mitte Wilhelmsburg‘ werden 150m2  große 2-Zimmer-Wohnungen für 11 Euro kalt pro Quadratmeter angeboten.“

Gleichzeitig ist die Bevölkerung überdurchschnittlich gewachsen, ohne dass die IBA ausreichend neue Wohnungen geschaffen hätte: Nur 280 neue Wohnungen seit 2007 stehen 1.500 neuen BewohnerInnen gegenüber. Die sozialen Auswirkungen dieser einseitigen Stadtentwicklungspolitik der IBA auf die Lebensbedingungen im Stadtteil sind nicht zu übersehen.

Der Arbeitskreis Umstrukturierung Wilhelmsburg betrachtet die IBA damit als auf ganzer Linie gescheitert. Sie hat mit einer vorbildlichen „Stadtentwicklung des 21. Jahrhunderts“ nichts zu tun, sondern verschärft gesellschaftliche Spaltungen und Ausschlüsse. Statt Antworten auf soziale Ausgrenzung zu suchen, mit der viele Menschen in Wilhelmsburg besonders zu kämpfen haben, oder neue Formen der Stadtentwicklungspolitik zu erproben, die sich an den Forderungen und Wünschen der BewohnerInnen orientiert und Ressourcen bereit stellt, hat sie eine Politik betrieben, die fast ausschließlich auf die Aufbesserung des Stadtteil-Images setzt.

Pressekontakt: aku-wilhelmsburg@riseup.net; 01577-3924552

Der Arbeitskreis Umstrukturierung Wilhelmsburg beobachtet die Stadtentwicklung Wilhelmsburgs seit 2006 und hat in zahlreichen Veranstaltungen und Veröffentlichungen kritisch Stellung zu IBA, igs und dem „Sprung über die Elbe“ genommen (dokumentiert unter akuwilhelmsburg.blogsport.eu).

Neuerscheinung: Arbeitskreis Umstrukturierung Wilhelmsburg: Unternehmen Wilhelmsburg. Stadtentwicklung im Zeichen von IBA und igs; Assoziation A, ISBN 978-3-86241-426-0, 9,80 €Rezensionsexemplare können über den Verlag bezogen werden: http://www.assoziation-a.de/kontakt

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