Demonstration: Respektvolle Behandlung und Beseitigung der Mängel jetzt! Wilhelmsburger MieterInnen setzen Protest gegen den Wohnungskonzern GAGFAH fort.

„Uns reicht’s!“ Die BewohnerInnen des Wilhelmsburger Bahnhofsviertel lassen nicht locker: Am heutigen Samstag, den 28. 5. machten 120 MieterInnen und UnterstützerInnen mit einer Demonstration durch das Quartier ihre Kritik an der Verwahrlosungspolitik des Wohnungskonzerns GAGFAH öffentlich. Denn dieser unternimmt weiterhin nichts gegen unzumutbare Wohnverhältnisse. Sie forderten einen respektvollen Umgang und die sofortige Beseitigung aller Mängel ihrer Wohnungen.

Das börsennotierte Wohnungsunternehmen GAGFAH kommt aus negativen Schlagzeilen nicht heraus. Bundesweit geriet der Konzern in die Kritik, weil er Service- und Instandsetzungskosten drückt und den Wohnungsbestand verkommen lässt. Gleichzeitig erhöht der Konzern die Mieten, wo es nur geht und sei es über intransparente Nebenkosten. Die Mieterinnen und Mieter im Wilhelmsburger Bahnhofsviertel erhöhen jetzt den Druck mit einer weiteren Demonstration. Denn trotz der viel beachteten Proteste vor der Wandesbeker GAGFAH-Zentrale im März dieses Jahres unternimmt die GAGFAH nichts gegen den Verfall ihrer Wohnungen (vergleiche auch AKU-Seite zu Mieten & Wohnen).

Weiterhin sind viele Wohnungen von gesundheitsgefährdendem Schimmel befallen, viele MieterInnen klagen auch über undurchsichtige und falsche Neben- und Betriebskostenabrechnungen. Zudem sind Aufzüge und Treppenhäuser in schlechtem Zustand und es fehlt an Spiel- und Parkplätzen. Vordergründig versucht das Wohnungsunternehmen, sich kooperativ zu zeigen und geht zumindest formal auf Mängelanzeigen der MieterInnen ein – notwendige Reparaturen werden dennoch bisher nicht durchgeführt.
Das Beispiel der GAGFAH – nicht nur in Wilhelmsburg – zeigt deutlich die Folgen der Privatisierung öffentlicher Wohnungen: Die Bestände werden solange gewinnbringend heruntergewirtschaftet, bis die Städte ihr ehemaliges Eigentum schlussendlich selbst wieder erwerben und instandsetzen müssen. Doch diese Profitstrategie der GAGFAH auf Kosten der öffentlichen Haushalte darf nicht aufgehen.

Auf der Demonstration am Samstag dem 28.05. war das Anliegen, die Wut über die Ignoranz direkt im betroffenen Viertel kundzutun. Trotz einschüchternden Politiken der GAGFAH nahmen 120 MieterInnen und UnterstützerInnen teil. Der Regen blieb fern und so wurde die Demonstration zu einem dynamischen Gang für NachbarInnen, Familien und gut gelaunte Interessierte. „Für Respekt!“ rief lautstark eine Mitveranstalterin durch das Mirkophon, „für lebenswertes Wohnen und Möglichkeiten für die Kinder!“ stieg eine Mieterin ein. Der Zug demonstrierte von der Korallusstraße zum Berta-Kröger-Platz an der S-Bahn Station Wilhelmsburg.

Gerade in Wilhelmsburg, das im Rahmen der IBA mit öffentlichen Mitteln in einen zukunftsweisenden Vorzeigestadtteil verwandelt werden soll, viele MieterInnen von den negativen Auswirkungen staatlicher Wohnungspolitik direkt betroffen. Anstatt Sozialwohnungen zu bauen, wurden in der Vergangenheit Teile der Bestände an private Konzerne verkauft. Eine Sprecherin der AG Wohnen Wilhelmsburg fügt hinzu: “Das Konzept der IBA schafft nicht etwa Abhilfe, sondern trägt durch Aufwertungsprozesse selbst zu Mietsteigerungen und damit zur Verdrängung ärmerer Bevölkerungsteile bei.“

Es muss eine grundsätzlich andere Wohnungspolitik her, die sich an den Bedürfnissen der BewohnerInnen und nicht an den Gewinninteressen von ManagerInnen oder den Aufwertungsabsichten des Senats orientiert.

Dieser Beitrag wurde unter GAGFAH, Protest abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.