Korallusviertel: Protestfahrt zur GAGFAH-Zentrale

Verschimmelte Wohnungen, verweigerte notwendige Reparaturen und Sanierungsmaßnahmen, ausgefallene Heizungen und trotzdem steigende Mieten. Während die Internationale Bauausstellung (IBA) mit schicken Projekten gezielt die Anwerbung einer neuen Mittelschicht für Wilhelmsburg betreibt, sehen sich MieterInnen der GAGFAH im Korallusviertel der Wohnmisere überlassen und von der Politik ignoriert.

Am heutigen Donnerstag, den 24.03.11, machten MieterInnen der GAGFAH und die Initiative Arbeitsgemeinschaft Wohnen Wilhelmsburg mit einer Protestfahrt zur Hamburger Zentrale des Wohnungsbauunternehmens am Wandsbeker Markt auf die Situation im Korallusviertel aufmerksam.

„Die behandeln uns hier wie Tiere“, sagt S. Bey (Name geändert), „vor 2 Jahren hatten wir einen Wasserrohrbruch, alles war unter Wasser“. Die GAGFAH reagierte nie auf Anrufe und Beschwerden, „alles ist schimmelig, die Kinder sind ständig krank“, fügt sie hinzu.

Wut über politische Vernachlässigung im Gegensatz zu Aufwertungsbestrebungen der Neuen Mitte

Seit Jahren hatten MieterInnen versucht, die GAGFAH zu einer Instandhaltung ihrer Wohnungen zu bewegen, meist individuell und auf juristischer Ebene. Über zunehmende Beschwerden seitens der MieterInnen in der Beratung von verikom e.V. im Bahnhofsviertel wurde die AG Wohnen Wilhelmsburg aufmerksam auf den Konflikt. „Die Protestfahrt zur GAGFAH-Zentrale in Wandsbek ist eine Möglichkeit, selbst Initiative zu ergreifen und die Praxis der GAGFAH öffentlich zu machen“, sagte Tina Habermann, Sprecherin der Initiative. Auf der Kundgebung vor der GAGFAH-Zentrale Wandsbek Markt forderten die TeilnehmerInnen die sofortige Beseitigung der Mängel und die Zurücknahme der Mieterhöhungen.

Die Initiative sieht zudem einen Zusammenhang mit der Stadtentwicklung, die im Rahmen der Internationalen Bauausstellung betrieben wird: „Zustände wie im Bahnhofsviertel, das in direkter Nachbarschaft zu der von der IBA geplanten ‚Neuen Mitte‘ liegt, zeigen, dass die IBA nicht die Lebensbedingungen der Menschen in Wilhelmsburg verbessert, sondern das Gebiet für neue Zielgruppen attraktiver machen soll.“

Die Praxis der GAGFAH, durch die drastische Senkung von Instandsetzungskosten ihre Gewinne zu maximieren, macht die negativen Folgen der Privatisierung öffentlicher Wohnungsbestände für die MieterInnen offensichtlich. Die GAGFAH war 2004 aus Bundesbesitz verkauft worden, Mehrheitsaktionär ist der US- Hedgefonds Fortress. Das Unternehmen hatte auch in Dresden den gesamten städtischen Sozialwohnungsbau aufgekauft und wird dort mittlerweile von der Stadt wegen Nichteinhaltens sozialer Auflagen verklagt. Auch in Wuppertal und Bremen sowie dem Hamburger Stadtteil Steilshoop sieht sich die GAGFAH massiven Vorwürfen ausgesetzt, ihren Bestand auf Kosten der Gesundheit und Wohnqualität der MieterInnen zu vernachlässigen.

„Das Beispiel der GAGFAH zeigt, dass eine grundsätzlich andere Wohungspolitik notwendig ist“, so die Initiative. „Ein Grundbedürfnis wie das Wohnen darf nicht Marktprinzipien unterworfen werden.“

Über die Protestfahrt zur GAGFAH Zentrale nach Wandsbek am 24.3. gibt es einen kurzen Film von leftvision. Vielen Dank!

 

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