Redebeitrag der Parade endlich nachzulesen

Wir sind vom Arbeitskreis Umstrukturierung Wilhelmsburg und möchten Euch anhand von zwei Berichten schildern, wie unterschiedlich sich Geschichten aus Wilhelmsburg anhören können.

1.Geschichte:

Über einen Studenten, der von Altona nach Wilhelmsburg zog.

„Na ja also klar bin ich hierher gezogen, weil ich mir die Miete in Altona ja auch nicht mehr leisten konnte. In Altona hab ich son bisschen mitbekommen, wie alles über die Köpfe der Leute hinweg entschieden wurde. Als ich dann hörte, ja hier in Wilhelmsburg, da macht die IBA so richtige Beteiligung der Leute, die´s betrifft, da fand ich das natürlich gut. Dann hab ich aber schnell mitbekommen, dass das zwar in den Zeitungsartikeln überall so steht, die Leute vor Ort aber nur verarscht werden. Das, was die wollten, ist denen im Mund umgedreht worden oder gar nicht erst wieder aufgetaucht.

 

Die Leute in der Stadt bekommen das, was hier läuft ja gar nicht mit. Hier sollen ein paar Studierende hinziehen, damit die Aufwertung auch klappt. Wir werden doch aber auch nur instrumentalisiert. Und sicher gibts hier Sachen, die verbessert werden können. Das passiert ja aber nicht, wenn ein paar neue Leute hierher ziehen. Die Mieten werden trotzdem erhöht, weil der Stadtteil plötzlich schick ist. Die, die hier wohnen können das ja aber oft gar nicht mehr bezahlen. Und dem Schreiber fällt dazu nur ein, in der Taz zu verkünden, dass ja
alle Kids in Wilhelmsburg höhere Bildungsabschlüsse machen sollen, denn dann könnten sie sich teurere Mieten schon leisten.“

2.Geschichte:

„Ich wohne inzwischen schon seit 20 Jahren in einer von der Gagfah vermieteten Wohnung in einem Block am Wilhelmsburger Bahnhof. Ich lebe im großen und ganzen gerne hier. Die Wohnungen werden im Laufe der Zeit immer schlechter, weil die Gagfah schon lange nicht mehr investiert und von den vielen MieterInnen eine riesige Rendite abschöpft.
Ich kann nicht nachvollziehen, wie in letzter Zeit über Wilhelmsburg gesprochen wird. Jahrelang hat sich hier nichts verändert, wer hier wohnte war dem Lärm und dem Gestank der Industrie ausgesetzt und lebte in Hamburgs Hinterhof. In den Zeitungen stand, das Wilhelmsburg die „Bronx des Nordens“ sei.
Seit ein paar Jahren ist davon nichts mehr zu hören. Wilhelmsburg ist plötzlich schick, es gibt viele unentdeckte Potentiale und es wird ein besonders lebenswerter Stadtteil beschrieben. Dabei hat sich für und hier gar nicht so viel verändert. Der Verfall der Wohnungen geht weiter und auch ansonsten ist es hier genau so wie es vor ein paar Jahren auch schon war. Vielleicht werden im Reiherstiegviertel ein paar Häuser angepinselt, aber ansonsten tut sich nicht viel.

Im Wilhelmsburger Wochenblatt habe ich von einer Demonstration gegen die Pläne für eine neue Autobahn gelesen. Wenn das Viertel hier lebenswerter werden soll, dann kann nicht noch mehr Krach und Gestank hier her kommen, also bin ich dorthin gegangen. Obwohl dort wirklich viele Leute waren, glaube ich nicht, das wir von den Planern und der Stadt ernst genommen werden.“

In Wilhelmsburg sind die IBA und die IGS Motoren der Aufwertung und der In-Wert-Setzung eines Stadtteils. Diese funktioniert vor allem durch die Produktion eines Images. Hier soll ein anderes Bild von dem Stadtteil entworfen werden und nicht die Lebensqualität seiner BewohnerInnen verbessert werden.

Durch die Werkzeuge der Stadtentwicklung findet eine Arbeit an der Fassade statt, indem Bänke aufgestellt werden, Wände gestrichen werden und vor allem eine gigantische Medienkampagne das Image eines auf einmal Lebenswerten Stadtteils produziert.
Die Marke Wilhelmsburg wird so als Teil der Marke Hamburg positioniert.

Die Stadtentwicklungsinstrumente der unternehmerischen Stadt produzieren nur leere Images.. Es geht aber um etwas völlig anderes: Schaffen wir stattdessen die Situation, in der alle die Ressourcen haben, sich das Recht auf Stadt zu nehmen!

 

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