Schlechte Nachrichten von der SAGA/GWG

Ein Leserbrief an den Wilhelmsburger Inselrundblick zu einer in der Novemberausgabe geschalteten Annonce von der SAGA/GWG, die die Sanierung des IBA-Projektes  „Weltquartiers“ in den höchsten Tönen eigenlobt.

In der letzten Ausgabe des WIR hat die SAGA/GWG eine Annonce geschaltet, in der sie detailliert über ihr Projekt „Weltquartier“ berichtet. Gemeint ist der laufende Umbau von etwas über 800 Wohnungen um die Weimarer Straße und die Veringstraße herum. Die SAGA/GWG behauptet in diesem Artikel, dass der Unterschied zwischen der Warmmiete vor / nach dem Umbau lediglich 13 Cent pro Quadratmeter betrage.

Wir, MieterInnen aus der Weimarer Straße und der Arbeitskreis Umstrukturierung Wilhelmsburg erklären zu dieser Behauptung:

1. Die Kaltmiete der Wohnungen, die üblicherweise als Maßstab der Miethöhe gilt, steigt laut eigener Aussage der SAGA/GWG nach dem Umbau sofort von durchschnittlich 5,12 Euro auf 5,65 Euro pro m². Das ist eine Steigerung von über zehn Prozent. Berücksichtigt man die Belastung des Quartiers durch die hafennahe Industrie, ist sehr fraglich, ob man diese Miethöhe wirklich als „günstig“ bezeichnen kann.

2. Wie die SAGA/GWG auf eine derzeitige Durchschnittsmiethöhe von 5,12 Euro kommt, legt sie nicht offen. Uns ist bekannt, dass einige AltmieterInnen weitaus weniger Miete zahlen, was bedeutet, dass sie von einer Erhöhung von teils weit mehr als zehn Prozent auszugehen haben.

3. Die Rechnung mit der Warmmiete ist eine Spekulation auf stabile Heiz- und Nebenkosten. Wie jede SAGA/GWG-MieterIn weiß, ist diese Spekulation nicht zuverlässig, vergleiche die expansiv steigenden Warmmieten der letzten Jahre. Immerhin fehlt nicht einmal in der Propagandaschrift der SAGA/GWG der dezente Hinweis, dass „Preissprünge bei Nebenkosten zu anderen Beträgen“ führen.

4. Der Umbau ist mit dem Zusammenlegen von Wohnungen und damit der Vergrößerung der Grundfläche verbunden. Deshalb handelt es sich nicht wie behauptet lediglich um eine Sanierung. Im Bruch mit dem geltenden Mietrecht hat die SAGA/GWG trotz zahlreicher Proteste bislang nicht darauf verzichtet, MieterInnen vorzuschlagen, ihre Mietverträge zu kündigen, um die Voraussetzungen für Auszüge zu schaffen. Keinesfalls ist es so, dass alle MieterInnen das Angebot bekommen, in dieselbe Wohnung zurück zu ziehen.

5. Die Vergrößerung der Wohnungen ebenso wie die Tatsache, dass einige Häuser abgerissen werden sollen, bedeutet, dass dies auch kaum möglich sein wird. Eine soziale Neuzusammensetzung der Einwohnerinnen und Einwohner des Quartiers, die ohne jegliche substanzielle Mitbestimmung der jetzt dort Wohnenden stattfindet, ist die absehbare Folge.

6. Es ist unstrittig, dass die Sanierung der durch die SAGA/GWG jahrzehntelang vernachlässigten Häuser dringend erforderlich ist. Die Art und Weise, wie der Umbau von der SAGA/GWG durchgeführt wird, ist jedoch eine Verhöhnung der viel propagierten „Partizipation“, da die Entscheidungen darüber – entgegen der Aussage von SAGA/GWG – ohne die MieterInnen getroffen wurde. Die Teilhabe der BewohnerInnen erstreckte sich im Vorfeld des Projektes lediglich auf die Rand- und Rahmenbedingungen des Umbaus, während die wichtigen Fragen der stabilen Mieten, eines nicht nur informell garantierten Bleiberechts und der Wohnungsgrößen nicht Gegenstand einer echten Mitbestimmung waren.

Wohnungsbauunternehmen sollten aus unserer Sicht sozial verantwortlich handeln. Das Recht auf Wohnungen ist ein Menschenrecht. Wenn die SAGA/GWG als städtisches Unternehmen nicht nach diesem Maßstab handelt, trägt sie zur Verschlechterung der ohnehin schwierigen Lage auf dem Wohnungsmarkt bei.

 

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