Große Begeisterung über die neuen Schwimmbad-Planungen im Gartenschau-Park

die örtlichen medien berichteten freudig, die parteien jubelten: ein bestehendes schwimmbad soll beseitigt werden und mit derselben ausstattung im ‚volkspark des 21. jahrhunderts’ der igs neu aufgebaut werden.

da stellt sich doch die frage: warum solch großer jubel? und vor allem: welchen sinn macht es, ein funktionierendes stück infrastruktur zu beseitigen, nur um es neu bauen zu können?

offenbar geht es darum, ein vorzeigeprojekt zur privatisierung öffentlichen grünraums durchzuexerzieren.

das war zunächst schwierig. denn die bäderland-gmbh war nicht interessiert, auf eigene kosten ein bad abzureißen und ein gleichwertiges neu zu bauen. da mußte die iba-gmbh nachhelfen: sie finanziert das neue bad jetzt mit. aus mitteln, die eigentlich für das promoten der ‚klimahäuser’ haulander weg gedacht waren. das wird nun – autobahnplanung sei dank – wie so viele andere iba-projekte nix, weswegen geld über war.

die behörde für stadtentwicklung und umwelt (bsu) möchte bekanntlich ihren vorzeige-aufwertungsstadtteil durch ihre eigene symbolträchtige anwesenheit erhöhen. die neue behörde war in den planungen mal größer (als man noch auf fremdfinanzierung per investor hoffte), mal kleiner (als absehbar wurde, daß mangels interesses die bsu selber bauen muß), zuletzt wieder größer. nämlich genau so groß, daß der außenbereich des bestehenden bades überbaut würde. das bad nur auf den hallenbereich zu reduzieren, stieß erwartetermaßen auf widerstand im stadtteil. als lösung stand nur der totale neubau im raum. so wurde durch künstliche und bedarfslose planungen eine neubaunotwendigkeit des schwimmbads erzeugt.

dieses wird dann in den neuen ‚volkspark‘ hineingeplant. mit viel zum bad hinzugezäuntem außenbereich.

denn darum gehts: einzäunen und eintritt nehmen. die nachhaltige zukunft der hamburger grünanlagen. dazu wurde ein neues naturgesetz erlassen: öffentliche grünanlagen können nicht mehr öffentlich finanziert werden. wir wissen ja alle: das geld ist einfach nicht mehr da. (sondern wird für elbphilhamonien oder banken gebraucht…)

da muß nun also eine akzeptanzförderungsstrategie für das neue in-wert-setzen des öffentlichen grüns her. also ein ‚guter‘ investor muß den ersten zaun ziehen, für ein projekt, das alle wollen. dann können langsam andere folgen, mit vorhaben, die weniger allgemeine bedürfnisse bedienen. openairbühnen werden ins gartenschaugelände geplant. über die zäune, die da (wirtschaftlich) notwendigerweise dazugehören, wird nicht gesprochen.

also liebe leute, vor lauter schwimmbad-begeisterung bitte nicht vergessen zu bedenken, worum es eigentlich geht. die gartenschau macht experimente für die zukunft (ehemals) öffentlicher grünanlagen in zeiten des neolioberalismus. dazu wurde auch von gartenschau-gmbh und bsu ein fachkongreß ‚GRÜN . MACHT . GELD‘ ausgerichtet. dabei ging es u.a. darum, per ‚qualitätsoffensive’ aus grünanlagen ‚leistungsträger’ zu machen, die sich am markt plazieren. die gartenschau soll eine dazu passende praxis entwickeln.

natürlich ist es kein naturgesetz, daß der öffentliche unterhalt und damit die öffentliche zugänglichkeit des öffentlichen raums keine zukunft mehr hat. dafür gibt es keine demokratische legitimation. wir müssen allerdings selber drauf aufpassen.

 

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